"Mündige Bürger, das waren wir!"

 

 

Wer kann sich heute noch das Leben in der DDR vorstellen? Rund 25 Jahre nach dem Mauerfall verblasst die Erinnerung an den SED-Staat. Die dieser Tage ausgetragene politische und gesellschaftliche Debatte um die Frage, ob die DDR ein Unrechtsstaat war, ist für viele – gerade junge Menschen – unbegreiflich und nicht mehr fassbar.

Am kommenden Donnerstag haben die Schülerinnen und Schüler des 10. bis 12. Jahrgangs am St.-Viti-Gymnasium die Möglichkeit, den Inhalten aus dem Geschichtsunterricht unmittelbar und mit einem hohen Grad an Authentizität zu begegnen. Herr Wolfgang Reiche wird ab 11:35 Uhr dem 10. Jahrgang über seine Flucht berichten: Nach einem missglückten, aber unentdeckten Fluchtversuch 1961 gelang ihm im Oktober 1964 die Flucht, ohne Wissen seiner Eltern und Mitschüler, als „Sperrbrecher“ durch Stacheldraht und Minenstreifen im Südharz. Acht Jahre musste er warten, bis er 1972 im Rahmen der ersten Generalamnestie zum ersten Mal wieder in die DDR reisen und seine Eltern und Geschwister wiedersehen durfte.

Ab 13:50 Uhr wird Frau Evelyn Zupke den Geschichts-Prüfungskursen des 11. und 12. Jahrgangs über ihre Arbeit in der Bürgerrechtsbewegung berichten: Ihre regimekritische Grundhaltung wurde frühzeitig durch ihr familiäres Umfeld geprägt und zeigte sich sowohl in der Schule als auch im späteren Berufsleben. Sie war 1989 maßgeblich mit an der Organisation und Durchführung des Nachweises der Wahlfälschung beteiligt, woraufhin sie vom MfS bespitzelt wurde. In den Jahren 1989/1990 arbeitete die Bürgerrechtlerin am Runden Tisch mit und half bei der Organisation der Mahnwache in der Gethsemanekirche.

Moderiert werden beide Gespräche von Herrn Alesch Mühlbauer von der Deutschen Gesellschaft e.V. (www.deutsche-gesellschaft-ev.de, www.stimmen-der-opposition.de)

 

Alle Interessierten sind eingeladen, zuzuhören und Fragen zu stellen. Am 27. März 2014 in Raum 112/114.