Vielen von uns ist das Königin-Christinen-Haus in Zeven direkt neben dem Kino bekannt, jedoch wissen nur die wenigsten, welche Geschichte hinter dem alten Fachwerkhaus steckt und zu welchen Zwecken es heute genutzt wird. Jetzt hat das Seminarfach Kunst unter der Leitung von Frau Kolm einen Blick hinter die Fassade gewagt.

Die Geschichte des Königin-Christinen-Hauses ist eng mit der des Klosters Zeven verbunden. Es wurde in der Mitte des 17. Jahrhunderts erbaut, zu der Zeit, in der das Kloster Zeven aufgelöst wurde. Das Fachwerkhaus diente repräsentativen Zwecken, es war das Gästehaus des Klosters oder wurde als Sitz des Klosteramtmannes genutzt. Auf Grund von Raummangel wurde der Wohntrakt des Hauses „verdoppelt“ und zweigeschossig gebaut. In der Mitte des 19. Jahrhunderts musste sich das Haus noch einigen Renovierungsmaßnahmen unterziehen, sodass es seit 1986 in seiner ursprünglichen Bauweise besichtigt werden kann. Der Name des Hauses bezieht sich auf die damalige Landesherrin, die schwedische Königin Christine (1626-1689), die auf einer ihrer Reisen in Zeven gehalten und Quartier genommen haben soll. 

Heute weiß man, dass das denkmalgeschützte Königin-Christinen-Haus eines der ältesten Gebäude der Stadt Zeven ist. Es befindet sich im Besitz der Kommune, welche das Gebäude immer wieder für Kunstausstellungen nutzt. 

Eine dieser Ausstellungen hat das Seminarfach Kunst am Mittwoch den 22.03.2017 besucht. Mit dem Hintergrund das Präsentieren zu üben, welches mit der Präsentation der Facharbeit in 12.1 eine große Rolle spielt, haben die Schülerinnen und Schüler der 11. Klasse die Ausstellung mit dem Titel „Audienz bei Königin Christine“ betrachtet und interpretiert. Außerdem wurde nach Inspiration für das kommende Verschönerungsprojekt in der Schule gesucht. Die Künstlerin hinter der Ausstellung ist Sabine Emmerich. Sie wurde 1964 in Marburg geboren und studierte Freie Kunst an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg. Schon während des Studiums entdeckte sie ihre Vorliebe für das künstlerische Arbeiten mit Maschendraht und Pappmaché. Seit 2001 ist sie Dozentin an der Hochschule für Künste in Bremen und zusätzlich seit 2011 Dozentin an der Universität Bremen. Heute hat sie ihr Atelier im Künstler-Bahnhof in Sagehorn, ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Die Idee zu dieser Ausstellung kam ihr, als sie vor einiger Zeit Florfliegen auf einem Essensrest sitzen sah und beim näheren Hinsehen von ihrer filigranen Schönheit fasziniert war. Durch ein Mikroskop betrachtet, stellten sich die Florfliegen farbenreich und durchschimmernd dar, für Emmerich beinahe elfenhaft. Daher kam ihr eine Assoziation mit den filigranen Gestalten von Prinzessinnen, vereinzelt auch Frauendarstellungen aus der Kunstgeschichte in dem Sinn. Die Werkgruppe „Florfliegen und andere Damen“ entstand, wodurch noch viele weitere Ideen entstanden und von ihr umgesetzt wurden. 

Ein besonders interessantes Stück der Ausstellung bildet der „Debattierclub“. In einem Raum stehen fünf Skulpturen bedeutender Frauen in einem Kreis. Geformt wurden sie aus einem Drahtgeflecht und Pappmaché. Im Mittelpunkt des Frauenkreises ist Königin Christine. Der Kreis wird geschlossen von Königin Eleonore von Kastillien, der Venus, der Mutter von Dürer und Prinzessin von Sibylla. Im Hintergrund ist eine Wand, auf welcher die vielen Synonyme der Worte „denken“ und „besprechen“ wiedergegeben sind. Es wirkt, als würden die Frauen im Dialog miteinander stehen, als hätten sie eine wichtige Besprechung. Dies scheint zunächst nicht verwunderlich, jedoch sollte man bedenken, dass all diese Frauen nicht im 21. Jahrhundert leben, sondern zu einer Zeit gelebt haben, in der es Frauen untersagt war zu denken, oder sogar ihre Meinung zu vertreten. Alle wichtigen Besprechungen waren den Männern überlassen. Demnach hat es die Künstlerin hier nicht nur geschafft eine angeregte Besprechung darzustellen, sondern auch ein Beispiel für die Emanzipation und den Fortschritt zu geben.

Abschließend lässt sich feststellen, dass der Exkurs in das Königin-Christinen-Haus in Zeven sowohl hilfreich für die Präsentation in 12.1 sein wird, als auch sehr lehrreich in Bezug auf die möglichen Ausdrucksweisen einer Künstlerin und ihrer Assoziation mit dem Frauenbild.

Text: J. Köhnken

Bilder: privat 

Zevener Zeitung vom 17.03.2017: